Aktuelle BIM-Pläne in Deutschland
Ein umfassender Überblick über BIM-Strategien auf allen Ebenen
Key Takeaways
- Bundesebene: Der Masterplan für die Digitalisierung im Bundesfernstraßenbau und die Umsetzungsstrategie BIM für Bundesbauten sind zentrale Dokumente.
- Bundesländer: Jeder Bundesland entwickelt eigene BIM-Strategien mit unterschiedlichen Implementierungszeitplänen.
- Städte und Gemeinden: Kommunale BIM-Initiativen variieren stark und sind oft Teil von Smart City- oder E-Government-Strategien.
BIM auf Bundesebene
Auf Bundesebene sind mehrere zentrale Dokumente und Initiativen im Bereich Building Information Modeling (BIM) vorhanden. Der Masterplan für die Digitalisierung im Bundesfernstraßenbau und die Umsetzungsstrategie BIM für Bundesbauten sind die wichtigsten Strategien, die von den Bundesministerien für Digitales und Verkehr sowie für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen entwickelt wurden. Diese Pläne betreffen den Einsatz von BIM in Bundesbauprojekten und sind Teil der Bemühungen, den Bauprozess zu digitalisieren.
Masterplan für die Digitalisierung im Bundesfernstraßenbau
Der Masterplan für die Digitalisierung im Bundesfernstraßenbau stellt eine umfassende Strategie dar, die den Einsatz von BIM in den Bauprozessen des Bundesfernstraßenbaus beschreibt. Diese Strategie ist ein zentrales Dokument, das von den Bundesministerien für Digitales und Verkehr initiiert wurde, um die Digitalisierung in diesem Bereich voranzutreiben.
Umsetzungsstrategie BIM für Bundesbauten
Die Umsetzungsstrategie BIM für Bundesbauten, veröffentlicht vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, beschreibt, wie BIM in Bundesbauprojekten implementiert werden soll. Diese Strategie beinhaltet auch sechs Arbeitshilfen unter dem Titel "BIM für Bundesbauten", die vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen und dem Bundesministerium der Verteidigung herausgegeben wurden.
BIM in den Bundesländern
In den Bundesländern gibt es keine zentrale, einheitliche BIM-Strategie. Vielmehr entwickelt jedes Bundesland seine eigenen Pläne und Vorgaben für den Einsatz von BIM. Diese Strategien sind oft im Rahmen von Digitalisierungs- oder Smart City-Initiativen eingebettet und variieren je nach Bundesland.
Baden-Württemberg
Zeitplan für BIM-Implementierung
Im Koalitionsvertrag des Landes Baden-Württemberg ist festgelegt, dass ab dem Jahr 2027 alle neu zu planenden Landes-Maßnahmen im Straßen- und Hochbau mit der BIM-Methode umgesetzt werden müssen. Im Tiefbau befindet sich die Methodik noch am Anfang, während im Hochbau die Anwendung von BIM bis 2026 schrittweise ausgebaut werden soll.
Bayern
BIM-Leitfäden für Hoch- und Tiefbau
Das bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr hat 2022 BIM-Leitfäden für Hochbau und Straßen- und Brückenbau veröffentlicht. Ab 2025 soll BIM standardmäßig in der Planungs- und Bauphase von Staatsstraßen-Projekten angewendet werden. Ab 2027 soll die Methode vermehrt bei Erhaltungsprojekten genutzt werden. Im Hochbau werden bereits neue Projekte mit BIM geplant, und ab 2025 sollen auch „geeignete laufende Projekte umgestellt“ werden.
Berlin
Pilotprojekte und Verpflichtung
Die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen nutzt BIM in einigen Hochbau-Pilotprojekten. Es wird jedoch derzeit kein Sinn darin gesehen, BIM verpflichtend einzuführen, da viele Baumaßnahmen nicht so komplex sind, dass der Aufwand sich lohnt. Zudem arbeiten viele mittelständige Planungsbüros nicht mit BIM, was sie von der Vergabe ausschließen würde.
Brandenburg
BIM-Stabsstelle und Leitfäden
In Brandenburg hat das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung eine BIM-Stabsstelle eingerichtet, die die Einführung der Methode ressortübergreifend koordiniert und landesweit einheitlich gestalten soll. Es wird geplant, einen BIM-Leitfaden und standardisierte Vorgaben zu erstellen. Erste BIM-Projekte im Straßen- und Hochbau sind bereits in Planung.
Bremen
Aktuelle Entwicklungen
Die Freie Hansestadt Bremen verfolgt die Entwicklung rund um BIM und tauscht sich mit anderen Ländern aus. Konkrete Pläne gibt es jedoch nicht, da sich die Stadt aktuell auf ihr Pilotprojekt der digitalen Baugenehmigungsverfahren konzentriert.
Hamburg
Digitalstrategie und Koalitionsvertrag
Der Hamburger Senat hat 2020 in seiner Digitalstrategie festgelegt, BIM bei öffentlichen Bauprojekten zu nutzen. Auch im Koalitionsvertrag des Jahres 2020 ist der Einsatz von BIM verankert. Ein genauer Zeitplan fehlt jedoch.
Hessen
Pilotprojekte im Landesstraßenbau
Hessen setzt im Landesstraßenbau aktuell nur auf BIM-Pilotprojekte, deren Erkenntnisse der weiteren Einführung dienen sollen. Für den Landes-Hochbau ist zurzeit nicht geplant, BIM verpflichtend einzuführen, da die allgemeine Marktdurchdringung und -entwicklung von BIM noch nicht ausreichend ist.
Mecklenburg-Vorpommern
Erfahrungen aus Bundesprojekten
Für den Landesbau in Mecklenburg-Vorpommern gibt es bisher keine BIM-Pflicht. Es wird geplant, 2024 die Erfahrungen aus Bundesprojekten auszuwerten, um Empfehlungen für die Einführung zu erarbeiten.
Niedersachsen
Anwendung im Tief- und Hochbau
Im Tiefbau hält sich die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr an den Masterplan des Bundes. Im Hochbau soll BIM zukünftig regelmäßig bei geeigneten Maßnahmen nach einem einheitlichen Standard angewendet werden.
Nordrhein-Westfalen
Verpflichtende Anwendung ab 15 Millionen Euro
In Nordrhein-Westfalen müssen seit dem 1. April 2023 alle Projekte ab 15 Millionen Euro Baukosten verpflichtend BIM anwenden. Für Projekte zwischen fünf und 15 Millionen Euro wird empfohlen, BIM zu nutzen.
Rheinland-Pfalz
Keine verpflichtende Einführung
In Rheinland-Pfalz ist derzeit nicht geplant, BIM verpflichtend für Landesbaumaßnahmen einzuführen. Mittel- bis langfristig sollen jedoch digitale standardisierte Baumodelle für den gesamten Infrastrukturbestand verbindlich werden.
Saarland
Pilotprojekte und Verbreitung
Das saarländische Innenministerium sieht eine verpflichtende Einführung von BIM als zu große Hürde für viele Planungsbüros. Daher wird derzeit an der Verbreitung der Methode gearbeitet und mit Pilotprojekten im Bundesbau Erfahrungen gesammelt.
Sachsen
Pilotprojekte und Strategieentwicklung
In Sachsen gibt es derzeit keine generelle BIM-Strategie. Eine solche soll nach Abschluss der laufenden Pilotprojekte entschieden werden. Die Pilotprojekte befinden sich im Abschluss der Genehmigungs- und am Beginn der Ausführungsplanung.
Sachsen-Anhalt
BIM im Landesstraßenbau bis 2030
In der Strategie „Sachsen-Anhalt Digital 2030“ ist festgelegt, dass BIM im Landesstraßenbau bis zum Jahr 2030 die Regel sein soll. Bis 2026 sollen mehrere BIM-Pilotvorhaben umgesetzt werden. Für den Hochbau sind verpflichtende Vorgaben aktuell nicht geplant.
Schleswig-Holstein
Orientierung an Bundesprojekten
Schleswig-Holstein orientiert sich auf Landesebene an den Vorgaben für Bundesprojekte. Konkrete Zeitpläne werden jedoch nicht mitgeteilt. Es gibt mehrere Pilotprojekte, und eine Projektgruppe wurde gegründet.
Thüringen
BIM in technischer Gebäudeausrüstung und Tragwerksplanung
In Thüringen wird BIM bei Landesbaumaßnahmen noch nicht vollständig umgesetzt. Es wird jedoch schon länger bei der technischen Gebäudeausrüstung und der Tragwerksplanung angewandt. Der hohe Aufwand der Implementierung und der Personalmangel sind die Hauptgründe für die langsame Umsetzung.
BIM in Städten und Gemeinden
Auf kommunaler Ebene variieren die BIM-Initiativen stark. Viele Städte und Gemeinden entwickeln ihre Digitalisierungsstrategien eigenständig, und BIM wird oft im Rahmen von Smart City- oder E-Government-Initiativen eingeführt.
Hamburg
BIM-Initiativen in Hamburg
Hamburg arbeitet an diversen Digitalisierungsprojekten im Bauwesen, teilweise mit eigenen BIM-Initiativen. Diese sind oft Teil der Smart City-Strategie der Stadt.
München
BIM und Smart City-Strategie
München verknüpft BIM mit seiner Smart City-Strategie und veröffentlicht Informationen im Zusammenhang mit smarten Stadtentwicklungsstrategien. Auf der Seite der Landeshauptstadt München finden sich Hinweise zum Thema Digitales Bauen.
Weitere Großstädte
BIM in anderen Großstädten
Andere Großstädte wie Köln oder Frankfurt veröffentlichen ebenfalls Informationen im Zusammenhang mit smarten Stadtentwicklungsstrategien und BIM. Diese sind oft auf den jeweiligen Stadtportalen zu finden.
Weitere Ressourcen und Tipps zur Recherche
Für eine umfassendere Recherche zu BIM-Plänen in Deutschland können verschiedene Ressourcen und Strategien genutzt werden:
Fachportale und Organisationen
Organisationen wie der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) oder die BITKOM sowie Fachmessen wie die BAU bieten oft weiterführende Links und Fallbeispiele.
Suchmaschinen
Ein Suchbegriff wie „BIM Strategie [Bundesland/Stadtname] Deutschland“ kann oft direkt zur entsprechenden Informationsseite führen.
Veröffentlichungen und Pressemitteilungen
Regierungs- und Ministeriumsseiten veröffentlichen regelmäßig Berichte zu Digitalisierungs- und BIM-Projekten.
Zusammenfassung der BIM-Pläne in Deutschland
| Ebene | Strategie/Initiative | Zeitplan |
|---|---|---|
| Bundesebene | Masterplan für die Digitalisierung im Bundesfernstraßenbau, Umsetzungsstrategie BIM für Bundesbauten | Ab 2023 Pflicht für Bundesbau |
| Baden-Württemberg | BIM im Straßen- und Hochbau | Ab 2027 Pflicht im Straßen- und Hochbau |
| Bayern | BIM-Leitfäden für Hoch- und Tiefbau | Ab 2025 standardmäßig im Straßenbau, ab 2027 bei Erhaltungsprojekten |
| Berlin | BIM-Pilotprojekte im Hochbau | Keine Pflicht, nur Pilotprojekte |
| Brandenburg | BIM-Stabsstelle und Leitfäden | Keine konkreten Zeitpläne |
| Bremen | Pilotprojekte für digitale Baugenehmigungsverfahren | Keine konkreten BIM-Pläne |
| Hamburg | BIM in Digitalstrategie und Koalitionsvertrag | Keine konkreten Zeitpläne |
| Hessen | BIM-Pilotprojekte im Landesstraßenbau | Keine Pflicht im Hochbau |
| Mecklenburg-Vorpommern | Erfahrungen aus Bundesprojekten | Keine BIM-Pflicht |
| Niedersachsen | BIM im Tief- und Hochbau | Keine konkreten Zeitpläne |
| Nordrhein-Westfalen | Verpflichtende Anwendung ab 15 Millionen Euro | Ab 1. April 2023 Pflicht |
| Rheinland-Pfalz | Keine verpflichtende Einführung | Mittel- bis langfristig verbindlich |
| Saarland | Pilotprojekte und Verbreitung | Keine Pflicht |
| Sachsen | Pilotprojekte und Strategieentwicklung | Keine konkreten Zeitpläne |
| Sachsen-Anhalt | BIM im Landesstraßenbau | Bis 2030 Pflicht |
| Schleswig-Holstein | Orientierung an Bundesprojekten | Keine konkreten Zeitpläne |
| Thüringen | BIM in technischer Gebäudeausrüstung und Tragwerksplanung | Keine vollständige Umsetzung |
Schlussfolgerung
Die Einführung und Anwendung von BIM in Deutschland zeigt eine Vielzahl von Strategien und Zeitplänen auf unterschiedlichen Ebenen. Auf Bundesebene sind die Pläne klar definiert, während die Bundesländer und Kommunen eigene Ansätze entwickeln. Diese Unterschiede spiegeln die dezentrale Organisation der BIM-Initiativen wider und zeigen die Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung im Bauwesen. Für eine umfassende Implementierung von BIM in Deutschland ist eine koordinierte Anstrengung auf allen Ebenen notwendig.
Referenzen
- BIM für gesamten Bundesbau ab 2023 Pflicht - bauingenieur24
- BIM in den Bundesländern: Diese Vorgaben und Pläne gibt es - check4builders
- Veröffentlichung BIM für Bundesbauten - BIM Deutschland
- Kommunen müssen BIM aktiv angehen - Tagesspiegel Background
- Modellierungsrichtlinien für den BIM-basierten Bauantrag - dbz
-
BIM-Expertenplattform des Bundes - BIM-Expertenplattform
-
BMVI – Digital Bau und Infrastruktur - BMVI
- Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz - Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz
- Baden-Württemberg - KM-BW
-
Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung NRW - MHK NRW
- Berlin - Berlin.de
- Hamburg - Hamburg.de
- Hessen - Hessen.de
-
Musterstadt Hamburg - Hamburg.de
- München - München.de
-
Masterplan BIM für Bundesbauten - Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat
- BIM Deutschland Website mit offiziellen Dokumenten - BIM Deutschland
- BIM-Portal des Bundes - VIA Bundes
- Normungsroadmap BIM vom DIN - Deutsches Institut für Normung
- Bundesbau BIM Roadmap - Bundesbau
-
Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur - BMVI
-
Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen - BMWSB
- Bundesingenieurkammer - BINGK
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Last updated February 18, 2025