Die Entscheidung für die richtige Anlageform ist ein wichtiger Schritt beim Vermögensaufbau und der Altersvorsorge. Viele Anleger stehen vor der Frage, ob ein flexibler ETF-Sparplan auf einen globalen Index wie den MSCI World oder eine Fondspolice einer Lebensversicherung, beispielsweise von der Heidelberger Leben mit Anlageklasse Wachstum, die bessere Wahl ist. Beide Optionen haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile, die wir im Folgenden detailliert beleuchten.
Ein Exchange Traded Fund (ETF) auf den MSCI World Index ermöglicht es Ihnen, mit einer einzigen Anlage breit gestreut in über 1.400 Unternehmen aus rund 23 Industrieländern zu investieren. Diese Anlageform ist bekannt für ihre Transparenz und Kosteneffizienz.
Beispielhafte Simulation der Wertentwicklung eines MSCI World Sparplans.
Historisch gesehen hat der MSCI World Index langfristig eine durchschnittliche jährliche Bruttorendite von etwa 8 % bis 10 % erzielt. In den letzten zehn Jahren bis etwa Ende 2024 lag die durchschnittliche jährliche Rendite von MSCI World ETFs teilweise sogar darüber, bei etwa 12 %. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass vergangene Wertentwicklungen keine Garantie für zukünftige Erträge sind. Für Prognoserechnungen wird oft mit konservativeren Annahmen von beispielsweise 6 % p.a. gerechnet.
Die Kosten von ETFs sind vergleichsweise niedrig. Die Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio, TER) für gängige MSCI World ETFs liegt oft zwischen 0,1 % und 0,25 % pro Jahr. Hinzu kommen können Depotgebühren und Orderkosten, wobei viele Online-Broker mittlerweile kostenlose ETF-Sparpläne anbieten.
Erträge aus ETFs, also Dividenden und Kursgewinne, unterliegen in Deutschland der Abgeltungssteuer (aktuell 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer). Bei thesaurierenden ETFs, die Dividenden direkt wieder anlegen, wird jährlich eine Vorabpauschale besteuert. Der Sparerpauschbetrag kann genutzt werden, um einen Teil der Kapitalerträge steuerfrei zu stellen.
ETF-Sparpläne bieten eine hohe Flexibilität. Sie können die monatliche Sparrate jederzeit anpassen, pausieren oder den Sparplan auflösen und Ihre Anteile börsentäglich verkaufen.
Eine fondsgebundene Lebensversicherung, wie sie die Heidelberger Leben mit der Anlageklasse "Wachstum" anbietet, kombiniert die langfristige Kapitalanlage in Fonds mit dem Mantel einer Lebensversicherung. Die Anlageklasse "Wachstum" deutet auf eine höhere Aktienquote in den ausgewählten Fonds hin.
Fondspolicen sind ein etabliertes Produkt zur Altersvorsorge, stehen aber oft wegen ihrer Kostenstruktur in der Diskussion.
Die Rendite einer Fondspolice hängt von der Wertentwicklung der zugrunde liegenden Fonds ab. Die Anlageklasse "Wachstum" zielt auf höhere Renditen durch einen größeren Anteil an Aktienfonds. Allerdings wird die Bruttorendite der Fonds durch die Kosten der Versicherung oft erheblich gemindert. Realistische Nettorenditen nach Kosten liegen bei vielen Fondspolicen oft deutlich unter denen von direkten ETF-Anlagen. Einige Analysen, wie beispielsweise ein Praxisbericht zu "MLP topinvest" (einem Produkt, das auch mit der Heidelberger Leben in Verbindung stand), deuteten auf Nettoperformances von unter 2 % p.a. hin, was primär den hohen Kosten geschuldet war.
Fondspolicen sind in der Regel mit deutlich höheren Kosten verbunden als reine ETF-Sparpläne. Dazu zählen:
Diese Kosten können sich aufsummieren und die effektiven Gesamtkosten auf 2 % bis 5 % pro Jahr oder mehr treiben, was die Nettorendite stark reduziert.
Ein Hauptargument für Fondspolicen sind die steuerlichen Vorteile, insbesondere in der Auszahlungsphase:
Fondspolicen sind tendenziell weniger flexibel als ETF-Sparpläne. Beitragsanpassungen, Zuzahlungen oder Entnahmen sind oft nur eingeschränkt oder mit zusätzlichen Kosten möglich. Die Fondsauswahl ist meist auf das Angebot des Versicherers begrenzt. Dafür bieten sie oft Zusatzleistungen wie einen Todesfallschutz für Hinterbliebene oder die Option, eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu integrieren.
Um die Unterschiede greifbar zu machen, vergleichen wir die beiden Anlageformen anhand zentraler Merkmale. Die tatsächliche Nettorendite und das Endkapital hängen stark von den individuellen Vertragsbedingungen, der Marktentwicklung und den genauen Kosten ab.
| Merkmal | MSCI World ETF (Sparplan) | Fondspolice Heidelberger Leben (Anlageklasse Wachstum) |
|---|---|---|
| Historische Brutto-Rendite (p.a.) | Ca. 8-12% (langfristig, vor Kosten/Steuern) | Abhängig von Fondsperformance, oft geringer nach internen Fondskosten |
| Realistische Netto-Rendite (p.a. nach typischen Kosten) | Ca. 6-9% (nach ETF-Kosten, vor pers. Steuern) | Ca. 1-4% (stark kostenreduziert durch Versicherungs- und Fondskosten, Schätzung) |
| Laufende Kosten (TER/Effektiv) | Ca. 0,1% - 0,25% p.a. (TER) | Deutlich höher, oft 2-5% p.a. effektiv (Abschluss-, Verwaltungs-, Fondskosten) |
| Steuern (Ansparphase) | Abgeltungssteuer auf Dividenden/Vorabpauschale | Keine laufende Besteuerung der Erträge im Vertrag (Steuerstundung) |
| Steuern (Auszahlung) | Abgeltungssteuer auf Kursgewinne | Ggf. nur 50% der Erträge steuerpflichtig (Halbeinkünfteverfahren bei Kapitalauszahlung) oder günstige Ertragsanteilsbesteuerung bei Rente |
| Flexibilität | Sehr hoch (Kauf/Verkauf börsentäglich, Sparrate anpassbar) | Geringer (Vertragsbindung, begrenzte Fondsauswahl, Anpassungen oft aufwändiger/teurer) |
| Zusatzleistungen | Keine (reine Kapitalanlage) | Oft Todesfallschutz, Berufsunfähigkeitsoptionen etc. als Teil des Versicherungsmantels möglich |
| Komplexität | Niedrig, transparent | Hoch, oft intransparente Kostenstruktur |
| Geeignet für | Kostenbewusste Anleger mit Fokus auf langfristige Rendite und Flexibilität | Anleger, die Wert auf steuerbegünstigte Altersvorsorge, Garantien (falls vorhanden) und Versicherungsschutz legen und dafür Renditeeinbußen in Kauf nehmen |
Hinweis: Die genannten Renditezahlen sind Durchschnittswerte und Schätzungen. Die tatsächliche Performance kann erheblich abweichen.
Angenommen, Sie zahlen monatlich 100 € über 25 Jahre ein:
Diese stark vereinfachte Beispielrechnung illustriert den erheblichen Einfluss von Renditeunterschieden und Kosten auf das langfristige Ergebnis. Die steuerlichen Vorteile der Fondspolice bei Auszahlung sind hier noch nicht berücksichtigt und könnten das Nettoergebnis der Police verbessern, gleichen den Renditenachteil aber oft nicht vollständig aus.
Das folgende Diagramm vergleicht die beiden Anlageformen anhand verschiedener Kriterien. Eine höhere Ausprägung bedeutet hier eine tendenziell vorteilhaftere Bewertung des Merkmals aus Anlegersicht (Skala 1-10, wobei 10 der beste Wert ist).
Das Diagramm verdeutlicht, dass ETFs typischerweise bei Renditepotenzial, Kosteneffizienz und Flexibilität punkten, während Fondspolicen ihre Stärken bei den Steuervorteilen in der Auszahlungsphase und möglichen Zusatzleistungen haben können.
Die Wahl zwischen einem ETF-Sparplan und einer Fondspolice ist sehr individuell. Die folgende Mindmap soll Ihnen helfen, die wichtigsten Aspekte für Ihre persönliche Entscheidung zu strukturieren:
Diese Mindmap zeigt, dass neben den reinen Produkteigenschaften auch Ihre persönlichen Umstände und Präferenzen eine entscheidende Rolle spielen.
Das folgende Video bietet eine weitere Perspektive auf den Vergleich zwischen direkten ETF-Sparplänen und versicherungsbasierten ETF-Anlagen (ETF-Rentenversicherungen), was thematisch eng mit der Fondspolice verwandt ist. Es beleuchtet häufig diskutierte Aspekte wie Kosten und Steuervorteile.
Das Video diskutiert, wie sich die unterschiedlichen Strukturen von ETF-Sparplänen und ETF-Policen (oft als Rentenversicherungen ausgestaltet) auf das langfristige Ergebnis auswirken können. Es werden Argumente für und wider beide Anlageformen erörtert, die Ihnen helfen können, die Vor- und Nachteile im Kontext Ihrer eigenen finanziellen Situation besser einzuordnen.
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